Man weiß gar nicht, seit wann es die Spatzen von den Dächern pfeifen. Dass der FC Bayern München Deutschlands besten Torhüter Manuel Neuer vom FC Schalke 04 holen will, ist seit langem das genaue Gegenteil eines Geheimnisses. Trotzdem hielten sich alle Verantwortlichen weitgehend bedeckt und spielten ein Theaterspiel von beeindruckender Eleganz. Nicht mal der kindische und dümmliche Protest der Bayern-Ultras gegen eine Verpflichtung Neuers konnte Bayern-Präsident Uli Hoeneß dazu bewegen, zu verkünden, was ohnehin alle wussten: Dass der Rekordmeister mit dem Nationalkeeper verhandelt.

Heute gab es immerhin mal den nächsten Akt im Theaterstück: Manuel Neuer verkündete auf einer Pressekonferenz seinen Abschied von Schalke 04, der ohnehin niemanden mehr überraschen konnte. Klar kämpfte Neuer mit den Tränen, und das war vermutlich nicht mal gespielt, sondern echt. Immerhin verlässt er den Verein, dem er als F-Jugendlicher beitrat und über 20 Jahre die Treue hielt. Doch den letzten Schritt verkniff sich der Weltklasse-Torhüter: Die Bekanntgabe seines Wechsels zum FC Bayern. Oder zumindest die Bestätigung, dass er in Verhandlungen mit dem FCB stehe. Wenigstens das hätte Neuer einräumen können, denn es weiß ohnehin schon jeder. Doch nein, er erzählte lediglich, dass ihn die Schalker Vereinsführung über ein Interesse der Bayern informiert habe – mehr nicht.

Immerhin: Mit dem heute begonnenen nächsten Akt nimmt das Stück dramatisch an Fahrt auf. Lange dürfte es nicht mehr dauern, bis der Wechsel, mit dem alle rechnen, endgültig bekannt gegeben wird. Die Bayern bekommen ihren Wunschkeeper, den im Augenblick besten Torhüter Deutschlands und vielleicht sogar der Welt. Schalke verliert eine Identifikationsfigur und einen absoluten Leistungsträger, wahrt aber immerhin sein Gesicht. Es bleibt nur zu hoffen, dass dsa Stück nicht mehr all zu lange dauert – denn sonst wird es selbst für abgehärtete Zuschauer langweilig.


Am Sonntag um 15:30 Uhr beginnt beim FC Bayern eine neue Zeitreichnung – und das mit einem eminent wichtigen Spiel. Im ersten Spiel unter Trainer Andries Jonker muss der aller Voraussicht nach entthronte Meister gegen den Zweitplatzierten Bayer Leverkusen antreten. Gegen das Team von Jupp Heynckes, der ab Juli selbst Trainer der Bayern wird, müssen die Münchener gewinnen, um die Minimalchance auf die direkte Champions-League-Qualifikation zu wahren.

In seiner kurzen, nur fünf Spiel währenden Amtszeit muss Jonker also eine Siegesserie hinlegen. Um das zu schaffen, greift er korrigierend ein und revidiert einige Entscheidungen seines Ex-Vorgesetzten Louis van Gaal. Zum Beispiel im Tor. Dort hatte der „Tulpengeneral“ ja in der Winterpause bekanntlich Routinier Hans-Jörg Butt durch den weitgehend unbekannten Nachwuchsmann Thomas Kraft ersetzt. Zwar bot Kraft einige starke Partien, war aber mit Fehlern in den Spielen gegen Hannover 96 und den 1. FC Nürnberg mit Schuld an der Entlassung van Gaals. Gegen Leverkusen wird nun Butt in den Kasten zurückkehren. Und das gegen seinen Ex-Klub.

Eher unfreiwillig muss Jonker hingegen wohl auf Bastian Schweinsteiger verzichten. Der Mittelfeldstar zog sich im Training am heutigen Donnerstag eine Bänderzerrung zu. Sein Einsatz ist sehr fraglich. Für den Nationalkicker wird aller Voraussicht nach Anatoli Timoschtschuk ins Mittelfeld rücken, der unter van Gaal noch meist in der Abwehr spielte. Das Mittelfeld ist aber seine eigentliche Stammposition. Mal sehen, ob’s was hilft. Mit Leverkusen kommt ein äußerst formstarker Gegner in die Allianz-Arena, der nach fünf Siegen am Stück vor Selbstvertrauen nur so strotzt und zudem plötzlich selbst wieder Chancen auf den Meistertitel hat. Denn Borussia Dortmund ist nur noch fünf Punkte weg und somit wieder in Schlagdistanz. Verspricht also, ein echtes Spitzenspiel zu werden.


Acht Tage nach dem berauschenden und sensationellen 5:2-Sieg bei Titelverteidiger Inter Mailand kann Schalke 04 heute Abend im Rückspiel alles klar machen. Zwar geben sich die Italiener siegessicher, aber an ein Scheitern der Schalker glauben wohl nur noch unverbesserliche Pessimisten. Der Halbfinal-Gegner für die Königsblauen steht auch schon fest: Manchester United.

Mit vier Toren Abstand müsste Schalke 04 heute zuhause gegen Inter Mailand verlieren (ab 20:45 in SAT.1), um doch noch aus der Champions League auszuscheiden. An ein solches Debakel verschwendet verständlicherweise niemand in Gelsenkirchen einen Gedanken. Sollte also heute Abend alles seinen gewohnten Lauf nehmen und der FC Schalke erstmals in der Vereinsgeschichte in das Halbfinale der Königsklasse einziehen, würden sie dort auf den nächsten Hochkaräter treffen.

Im „Battle of Britain“ setzte sich am gestrigen Abend Manchester United gegen den FC Chelsea durch. Nach dem 1:0-Auswärtserfolg im Hinspiel gewannen die „Red Devils“ auch die Heimpartie ohne große Probleme mit 2:1. Den Führungstreffer besorgte Javier Hernandez in der ersten Hälfte nach feiner Vorarbeit von Altstar Ryan Giggs. Der 37-Jährige war wieder einmal bester Mann auf dem Platz.

In der zweiten Hälfte kam Chelsea besser in die Partie. Der wieder einmal enttäuschende 60-Millionen-Megatransfer Fernando Torres musste zur Halbzeit in der Kabine bleiben, für ihn kam Didier Drogba. Und der Mann von der Elfenbeinküste war es auch, der in der 76. Minute ausglich und  den „Blues“ so wieder etwas Hoffnung verschaffte. Diese kleine Flamme wurde allerdings gleich im Gegenzug endgültig ausgelöscht. Ji-Sung Park traf nur eine Minute später zum 2:1 und brachte ManU damit endgültig ins Halbfinale.

Sollte das Aufeinandertreffen zwischen Schalke und ManUnited heute Abend endgültig fixiert werden, wäre es für die Engländer das zweite Jahr in Folge, in dem sie es mit einem deutschen Team zu tun bekommen. Im vergangenen Jahr scheiterte das Starensemble von Sir Alex Ferguson im Viertelfinale an Bayern München. Unvergessen bleibt Arjen Robbens Traumtor im Rückspiel, das den Bayern das Weiterkommen sicherte. Trotzdem: Gegen Manchester wäre Schalke wieder einmal krasser Außenseiter – das hat ihnen gegen Inter allerdings auch nicht geschadet.


Am gestrigen Montag leitete Bayern Münchens Hoffnungsträger für den Saisonendspurt sein erstes Training: Andries Jonker durfte in seiner Funktion als Interimstrainer erstmals die Kommandos auf dem Trainingsplatz an der Säbener Straße geben. Der Niederländer weiß, dass seine Amtszeit begrenzt ist und im Juli enden wird. Wenn Jupp Heynckes den FC Bayern zur kommenden Saison übernimmt, wird Jonker wieder ins zweite Glied rücken und womöglich die Amateurmannschaft übernehmen.

Aber was ist dieser Jonker überhaupt für ein Typ? Fußballfreunde kannten den 48-Jährigen bislang allenfalls als stillen, loyalen Co-Trainer Louis van Gaals. Jonker begleitete seinen Chef, mit dem ihn eine echte Freundschaft verbindet, über Jahre hinweg. Bei Ajax Amsterdam, beim FC Barcelona und auch bei der holländischen Nationalmannschaft assistierte er dem Erfolgscoach, war auch an dessen überaus erfolgreicher ersten Bayern-Saison entscheidend beteiligt. Nach van Gaals Entlassung rückte er zum Chef auf.

Doch obwohl Jonker ähnliche fußballerische Ansichten vertritt wie sein ehemaliger Chef – als Typ ist er komplett anders: Wo van Gaal aufbrausend, emotional, manchmal auch arrogant wirkte, ist Jonker ein zurückhaltender, stiller Zeitgenosse, der sympathisch wirken will und es auch tut. Niemals würde er seinen Ex-Chef kritisieren, den er explizit fragte, ob es für ihn ein Problem wäre, wenn er den FC Bayern übernimmt. Auf seiner Antritts-Pressekonferenz stellte Jonker vielmehr klar, dass er einiges von van Gaal übernehmen will – nämlich das, was gut funktioniert hat.

„Es ist klar, dass ich in fünf Wochen keine Spieler ausbilden und eine neue Philosophie bringen kann. Nach so einer langen Zusammenarbeit ist auch klar, dass ich viel von Gaal übernehmen werde. Ich habe den Spielern gesagt, wie wichtig ich es finde, direkt zu kommunizieren. Meine Tür steht immer offen. Wer etwas zu sagen hat, soll zu mir kommen. Geradeaus! So bin ich: geradeaus.“

Jonker weiß, dass er nur wenig Zeit hat, um eine schwierige Mission zu bewältigen: Die Bayern müssen Platzt drei erreichen und damit die direkte Qualifikation für die Champions League. Alles andere wäre für diesen Verein eine riesige Enttäuschung und ein enormer Imageschaden. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich der langjährige Co-Trainer bei seiner ersten richtig großen Aufgabe schlägt. Jonker selbst gibt sich, seinem Naturell entsprechend, zuversichtlich:

„Ich möchte am 14. Mai abends auf der Couch sitzen und zufrieden sein. Dafür müssen wir Dritter werden.“


Es ist noch gar nicht so lange her, dass das hektische Wechselspiel auf den Trainerbänken der Bundesliga für Aufruhr sorgte: Felix Magath wurde bei Schalke gefeuert und ging nur wenige Stunden später zum VfL Wolfsburg. Ralf Rangnick, im Winter noch in Hoffenheim, ging nach Schalke, während Frankfurt Michael Skibbe feuerte und Christoph Daum holte. Ach ja, Schlusslicht Mönchengladbach hatte ja Michael Frontzeck in die Wüste geschickt und Lucien Favre geholt. Nicht zu vergessen Leverkusen, wo Robin Dutt ab Juli den zu Bayern Müncehn zurückkehrenden Jupp Heynckes ersetzen wird.

Ein bisschen viel? Stimmt, aber in den letzten Wochen hatte sich die Lage ja etwas beruhigt. Nur, um jetzt wieder Fahrt aufzunehmen. In Hoffenheim wird der Vertrag von Marco Pezzaiuoli, der Rangnick im Januar abgelöst hatte, zum Sommer nicht verlängert. Dafür soll Holger Stanislawski vom FC St. Pauli zum Dorfverein ins Kraichgau wechseln. Noch ist es nur ein Gerücht, doch wenn es stimmt, wäre es eine Nachricht, die auf den ersten Blick unvorstellbar klingt.

Denn Hoger Stanislawski steht eigentlich wie kaum ein Zweiter für St. Pauli. Seit 18 Jahren ist er für die Kiez-Kicker tätig, zunächst als Spieler, später als Funktionär und als Trainer. Als solcher führte er den in den Versenkung verschwundenen Traditionsverein zurück ans Licht, erst in die zweite Liga und im letzten Sommer in die Bundesliga. Sollten die Gerüchte stimmen, würde eine echte Ikone den momentan noch abstiegsbedrohten Verein verlassen.

Zudem dürfte sich Stanislawski in Hoffenheim vorkommen wie auf einem fremden Planeten. Dort St. Pauli, der „alternative“ Anti-Kommerzklub mit Totenkopf-Flagge, hier Hoffenheim, ein mit vielen Millionen hochgepäppeltes Projekt, ein Verein, der noch vor zehn Jahren in der Verbandsliga kickte. Sportlich ist Hoffenheim zweifellos die bessere Wahl, aber wie Stanislawski einen solchen Wechsel den St.Pauli-Fans erklären will, muss sich noch zeigen.


Schon seit Wochen war Louis van Gaal bei den Bayern nur mehr ein „Dead Man Walking“. Seit bekannt war, dass der Vertrag des Niederländers am Saisonende aufgelöst wird und Jupp Heynckes zur neuen Saison Bayern-Trainer wird, ging es für das „Feierbiest“ nur noch darum, einen Rest Würde zu wahren und die Saison anständig zu Ende zu bringen. Zweifel waren aber angebracht, schließlich hatte die öffentliche Demontage durch den Bayern-Vorstand nicht gerade dazu beigetragen, van Gaals Autorität zu stärken. Und so quälten sich die Bayern in den Wochen seit der Bekanntgabe der Trennung zu zwei knappen, unansehlichen Ligasiegen gegen Freiburg und Schlusslicht Mönchengladbach, ehe eine erneut schwache Leistung und ein mageres 1:1 im prestigeträchtigen Derby gegen Nürnberg das Fass zum Überlaufen brachte.

Scheinbar noch auf der Rückfahrt aus Nürnberg am Samstagabend beschlossen der seit Monaten angefressen wirkende Präsident Uli Hoeneß und der ebenso mächtige Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die vorzeitige Entlassung van Gaals. Sein Co-Trainer Andries Jonker soll an den letzten fünf Spieltagen nun noch retten, was zu retten ist. Sprich: Das Team wenigstens auf Platz drei führen und so die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation retten. Diesen Platz belegt seit Samstag wieder das Überraschungsteam von Hannover 96, das ohne Probleme 2:0 gegen Mainz gewann. Der zweite Tabellenplatz und damit die direkte Qualifikation für die Champions League ist für die Bayern in weite Ferne gerückt – Leverkusen ist dem Rekordmeister neun Zähler enteilt. Von der Meisterschaft sprach an der Säbener Straße ja spätestens seit dem 1:3 gegen Dortmund im Februar schon niemand mehr.

Momentan herrscht viel Frust bei den Bayern. Ob Andries Jonker die Spieler aus dem Tal der Tränen führen kann, scheint fraglich. Schließlich vertritt der Niederländer weitgehend die selben taktischen Ansichten wie sein Landsmann van Gaal. Doch dürfte Jonker zu Gute kommen, dass er weniger stur ist als es der „Tulpengeneral“ war.

Denn van Gaal stolperte bei den Bayern vor allem über seine mangelnde Kompromissbereitschaft. In seiner ersten Saison zogen alle mit, und die Bayern gewannen nach einer sensationellen Rückrunde Meisterschaft und DFB-Pokal und standen im Finale der Champions League. In dieser Saison jedoch lief von Anfang an vieles schief. Van Gaal erwies sich aber als zu unflexibel, um die Situation meistern zu können. Dass gegen Nürnberg ausgerechnet Keeper Thomas Kraft, den van Gaal gegen den Willen der Bosse ins Tor beordert hatte, entscheidend patzte und so das Ende des Trainers besiegelte, ist symptomatisch. Van Gaal wich nie von seiner Linie ab, und der Widerstand gegen ihn wurde immer größer, vor allem in der Führungsetage. Hoeneß‘ wütende Abschiedsworte auf der gestrigen Pressekonferenz sind ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie sehr sich die Stimmung in wenigen Monaten gegen van Gaal gewendet hat. Trotzdem: ein guter Trainer verlässt die Bundesliga, und zudem eine trotz allem faszinierende Persönlichkeit.


Teams, die im Saisonendspurt mitten im Abstiegskampf stecken, haben meistens zwei Möglichkeiten: Entweder sie hängen sich voll rein und nehmen die Situation als das an, was sie ist – nämlich ein Überlebenskampf. Oder sie wurschteln sich durch, in dem Glauben, dass trotz eines Negativlaufes die Spielstärke ausreichen sollte, um die Klasse irgendwie zu halten. Teams der zweiten Kategorie sind meistens jene, die überraschend unten stehen und für die die Saison eine große Enttäuschung darstellt. Oft steigen jene Teams ab – das Paradebeispiel dafür wäre das Schicksal von Hertha BSC Berlin in der vergangenen Saison.

Diese Saison könnte es für den VfB Stuttgart böse enden. Der steckt nach der 2:4-Heimpleite gegen den 1. FC Kaiserslautern wieder mitten drin im Schlamassel. Im Samstagabendspiel des 29. Spieltags trafen dabei genau jene beiden eingangs erwähnten Kellerkinder-Kategorien aufeinander. Während Kaiserslautern den Kampf annahm und sich in der zweiten Hälfte in beeindruckender Weise das Spiel unter den Nagel riss, präsentierte sich Stuttgart leblos, ideenlos, fast schon ängstlich. Selbst eine 2:1-Pausenführung konnte den Schwaben offenbar keinerlei Mut einflößen. Die Stimmung in der Mercedes-Benz-Arena ist bezeichnend für die Situation des VfB. Nicht mal zu einem Pfeifkonzert konnten sich die zutiefst frustrierten Zuschauer noch aufraffen. Zu oft schon wurden sie von ihrem Team in dieser Saison enttäuscht.

Die Frage muss nun erlaubt sein: Reicht das? Der Auftritt der Stuttgarter gegen Kaiserslautern könnte als Spiegelbild der gesamten Saison herhalten: Schwach gestartet, zwischendurch dann doch mal ein kurzes Aufbäumen, letztlich aber zu ideenlos und schwach, um zu gewinnen. Auch der zweite Trainerwechsel in dieser Saison scheint das Team nicht dauerhaft aus der Apathie gerissen zu haben. Zwar gab es in der Rückrunde unter Bruno Labbadia ein kurzes Strohfeuer, doch seit einigen Spielen scheint das Team wieder in altes Fahrwasser gekommen zu sein. Schon in der Vorwoche durfte sich der VfB bei Keeper Sven Ulreich bedanken, dass es beim Gastspiel in Bremen am Ende 1:1 hieß und nicht 1:5. Noch steht Stuttgart über dem Strich, aber in den verbleibenden fünf Saisonspielen könnte der VfB noch auf einen Abstiegsrang rutschen, wenn weitere Auftritte wie der gegen Kaiserslautern folgen.

Die Pfälzer hingegen dürfen jubeln: Lautern machte mit dem völlig verdienten Auswärtssieg einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt. Rechnerisch gerettet sind die Pfälzer zwar noch lange nicht, aber endlich knüpfte das Team von Marco Kurz mal wieder an die teils starken Auswärtsauftritte aus der Hinrunde an (etwa das 3:1 in Nürnberg). Spielerisch zählt der Aufsteiger ohnehin nicht zu den schwächsten Teams der Liga, aber in der Rückrunde konnte sich Lautern lange nicht aus der Abwärtsspirale befreien. Nun aber ist der Knoten wohl endgültig geplatzt – nicht nur bei Srdjan Lakic. Der Kroate traf erstmals in der Rückrunde, und das gleich doppelt. Lakic steht nun bei 13 Saisontoren. Wenn das Tabellenbild am Saisonende noch so ist wie jetzt, dürfte sich sein feststehender Wechsel zum VfL Wolfsburg im Nachhinein als Riesenfehler entpuppen. Die Niedersachsen würden dann womöglich in Liga zwei spielen.


Am 29. Bundesligaspieltag stehen einige wichtige Paarungen an. Am Freitag etwa liefern sich Werder Bremen und Eintracht Frankfurt ein Duell um den Klassenerhalt, ebenso am Samstag der VfB Stuttgart und Kaiserslautern. Außerdem kommt es ebenfalls am Samstag zum meist emotionsgeladenen Derby Nürnberg gegen Bayern sowie zum Klassikerduell Hamburger SV gegen Borussia Dortmund. Und trotzdem: Im absoluten Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit stehen nicht diese Spiele, sondern die Partie Schalke 04 gegen VfL Wolfsburg.

Dass ein Spiel zwischen dem Tabellenzehnten und dem Tabellensechzehnten alle anderen in den Schatten stellt, hat natürlich einen Grund. Und der heißt Felix Magath. Nur knapp drei Wochen nach seiner Entlassung bei Schalke 04 und der Rückkehr zu Ex-Klub Wolfsburg muss Magath nun bei seinem Ex-Arbeitgeber antreten. Gegen ein Team, das er selbst zusammengestellt hat und erst vor wenigen Wochen in das DFB-Pokalfinale und in das Viertelfinale der Champions League geführt hat.

Dort durfte nun Magaths Nachfolger Ralf Rangnick die Lorbeeren einfahren – der sensationelle 5:2-Sieg bei Inter Mailand geht natürlich zu einem Großteil auf seine Kappe. Schließlich stellte er das Team dort auf und griff dabei auf Spieler zurück, die unter Magath keine Chance mehr hatten, etwa den überragenden Alexander Baumjohann. Dennoch trägt der Kader die Handschrift Magaths, weshalb sein Anteil am Schalker Wunder nicht vernachlässigt werden darf. Ab Sommer wird das anders aussehen – Rangnick hat schon angekündigt, den von Magath aufgeblähten Kader deutlich verkleinern zu wollen.

Vor dem mit Spannung erwarteten Bundesligaduell am Samstag verzichteten beide Parteien bislang auf das Abfeuern von Giftpfeilen – noch. Rangnick kritisierte zwar schon das ein oder andere mal indirekt die Einkaufspolitik und Aufstellung seines Vorgängers. Doch einen direkten Angriff führte er bislang nicht. Auch Magath verzichtete auf eine Abrechnung mit seinem Ex-Verein, obwohl er nach dem unrühmlichen Abgang und der öffentlichen Demontage durch Vereinsboss Clemens Tönnies allen Grund dazu hätte. Es sieht so aus, als würde das Duell trotz des medialen Hypes auf dem Rasen entschieden werden. Und das ist gut so.


Die Hinspiele der Champions-League-Viertelfinals sind vorüber – und es sieht so aus, als stünden drei der vier Halbfinalisten schon fest. Neben dem FC Schalke 04, der mit seinem grandiosen 5:2-Auswärtssieg bei Titelverteidiger Inter Mailand Geschichte schrieb, gewannen auch die spanischen Spitzenklubs Real Madrid (4:0 gegen Tottenham Hotspur) und FC Barcelona (5:1 gegen Schachtjor Donezk) ihre Hinspiele klar. In der vierten Paarung ging es knapper zu. Allerdings hat Manchester United durch einen 1:0-Auswärtserfolg im englischen Derby gegen den FC Chelsea eine sehr gute Ausgangsposition für das Rückspiel.

Nach dem klaren Schalker Überraschungssieg in Mailand zählt man ja nicht mehr zu den Fantasten, wenn man vom Einzug der Königsblauen in das Halbfinale ausgeht. Es wäre übrigens der erste in der Vereinsgeschichte. Dort würde Schalke auf den Sieger des englischen Duells, also vermutlich Manchester United treffen. Die „Red Devils“ siegten an der Stamford Bridge durch einen frühen Treffer von Wayne Rooney. Die Gastgeber waren über weite Strecken der Partie zu harmlos, hätten allerdings in der Nachspielzeit zwingend einen Elfmeter bekommen müssen.

Fast noch spektakulärer dürfte das zweite Halbfinale werden. Dort würden dann Barcelona und Real Madrid zum „Clasico“ aufeinandertreffen! Das legendäre Duell der beiden Spitzenklubs zieht nicht nur Spanien in seinen Bann, sondern die ganze Welt. Das Hinspiel in der Liga gewann „Barca“ klar und deutlich mit 5:0 – Real hat also eine Scharte auszuwetzen. Im April könnte es somit zu vier (!) „Clasicos“ kommen, denn neben den beiden Champions-League-Duellen stehen auch noch das spanische Pokalfinale und natürlich das Rückspiel in der Primera Division an. Da schnalzt doch jeder Fußballfan mit der Zunge.


Beim sensationellen, atemberaubenden 5:2-Auswärtssieg bei Titelverteidiger Inter Mailand lieferte Schalke 04 eine perfekte Mannschaftsleistung ab. Trotzdem stach im wiedererstarkten königsblauen Ensemble ein Spieler besonders heraus: Raúl Gonzalez Blanco, genannt Raúl. Man muss sagen: Wieder einmal. Der spanische Weltstar präsentierte sich zum wiederholten Mal in dieser Saison als vorbildlicher Arbeiter, der sich trotz seines Legendenstatus voll und ganz und ohne jegliche Starallüren in den Dienst der Mannschaft stellt. Er half hinten mit aus, lief verloren gegangenen Bällen hinterher und verteilte diese geschickt an seine Mitspieler. Noch dazu sorgte der 33-Jährige vorne für jede Menge Gefahr.

Nach dem frühen Rückstand durch Stankovics verrücktes Gegentor nach 26 Sekunden war es Raúl, der seine Mitspieler davor bewahrte, in Lethargie zu verfallen. Er hatte per Kopf auch die ersten beiden dicken Schalker Torchancen. Nach der Pause schlug er dann endlich selbst zu: Nach feinem Pass von Jefferson Farfan erzielte er eiskalt das wichtige 3:2. Mitten in der stärksten Inter-Phase brach dieses Tor den Italienern das Genick. Nur so konnte die Demütigung des Favoriten endgültig ihren Lauf nehmen. Nebenbei baute der Spanier seine Führung in der ewigen Champions-League-Torjägerliste damit aus. Er steht nun bei sagenhaften 70 Treffern, 66 davon im Dress von Real Madrid und vier in dieser Saison für Schalke.

Man mag auf Schalke von Ex-Trainer Felix Magath und seiner Transferpolitik halten, was man will. Aber für den Transfer von Raúl kann man ihm nur auf die Schulter klopfen.Als der 102-fache Nationalspieler vor der Saison seinen Wechsel in den Ruhrpott bekannt gab, dachten wohl nicht wenige, dass der Superstar am Ende seiner Karriere nochmal richtig abkassieren wollte, ohne sich übermäßig anzustrengen. Doch weit gefehlt: Raúl haute sich vom ersten Tag an voll rein, trotz seines holprigen Saisonstarts. Mittlerweile steht er bei 12 Toren in der Bundesliga, vier in der Champions League und einem im DFB-Pokal, das Schalke den Einzug in das Finale sicherte. Er ist aus dem Schalker Spiel nicht wegzudenken. Sicher ist der Sensationserfolg in Mailand ein Verdienst des neuen Trainers Ralf Rangnick und von überragend auftrumpfenden Spielern wie Alexander Baumjohann und Manuel Neuer. Doch der Abend zeigte auch wieder einmal: Ohne Raúl Gonzalez Blanco, den „König von Schalke„, läuft bei S04 gar nichts.