Frauenfußball-WM: Männer, wo ist das Problem?

05Jul11

Viel wurde schon geschrieben über die Fußball-WM der Frauen hier in Deutschland. Unzählige selbsternannte Experten haben kübelweise Häme über die bisherigen Partien des Turniers ausgeschüttet und mit Kommentaren wie „Das kann man sich ja nicht anschauen“ oder „Frauen können das einfach nicht“ fröhlich jahrzehnte alte Klischees bedient. In der ganzen Bundesrepublik zerreissen sich Fußballstammtische darüber das Maul, wie langsam die Spiele der Frauen doch sind, wie schlecht die Torhüterinnen, wie blind die Schiedsrichterinnen und wie exorbitant hoch die Fehlpassquote. Schnell kommt man(n) zu dem Schluss, dass der ganze Mist nur möglichst schnell vorbei sein sollte, damit man zurückkehren kann zum wahren Fußball, zu Männerbundesliga und Champions League, zu Ribéry statt Bajramaj.

Vielleicht sollte ich hier auch einmal klar Stellung beziehen und sagen: Ich mag Frauenfußball, ich mag die WM und ich freue mich, dass mir die Spiele über die Langeweile der Sommerpause hinweghelfen. Mir ist es völlig egal, wie viele Fehlpässe die Spielerinnen fabrizieren, mich interessiert auch nicht das langsamere Spieltempo, und dass 80 Prozent der bisher gefallenen Tore im Männerfußball nicht gefallen wären, ist mir piepsegal. Diese Vergleiche sind so was von für die Katz, weil das nun einmal nicht Männerfußball ist. Kein Mensch würde sich in der Leichtathletik darüber aufregen, dass der 100-Meter-Weltrekord der Frauen „langsamer“ ist als der der Männer. Jedem ist klar, dass Frauentennis weniger kraftvoll und etwas langsamer ist als Männertennis. Wo also ist das Problem dabei, genau das für den Frauenfußball auch zu akzeptieren? Und die Spiele der Frauen-WM nicht mit denen der Männer zu vergleichen?

Was ich bei der WM in Deutschland sehe, sind immer wieder schöne Spielzüge, gelungene Dribblings und Spaß am Spiel. Vor allem die Teams aus USA und Frankreich haben mir dies bis jetzt vermittelt. Und genau das ist, was mich beim Fußball schauen schon immer am meisten interessiert hat. Klar waren da Partien auf niedrigstem Niveau dabei, die man wirklich nicht gesehen haben muss. Aber von denen gab es bei der letztjährigen Männer-WM in Südafrika auch einige (Honduras? Slowenien?). Und überhaupt kann niemand, der je Zweitligaspiele wie VfL Osnabrück gegen Union Berlin gesehen hat, ruhigen Gewissens behaupten, die wären „besser“ als WM-Spiele der Frauen. Das waren sie nämlich nicht. Auch in der Bundesliga habe ich letzte Saison Spiele gesehen, die garantiert nicht qualitativ besser waren als Spiele der laufenden WM.

Heute Abend spielt Deutschland im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich. Klar, das Team konnte bislang nicht überzeugen, auch ich war enttäuscht. Aber selbst die immer wieder pauschalisierenden Frauenfußball-Hasser wissen, dass die DFB-Mädels gut spielen können. Und so sehr ich mich freuen würde, wenn heute Abend endlich der Knoten platzt, wenn Bajramaj und Prinz beide endlich aufdrehen: Ich weiß jetzt schon, dass ich mich ärgere, wenn selbst eine gute Leistung von den ewig nörgelnden Besserwissern wieder schlecht geredet wird. Was ist eigentlich so schwer daran, sich über eine WM in Deutschland zu freuen und die Spiele ohne übertriebene Erwartungshaltungen und Druck zu genießen? Versucht es doch einfach mal.

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