Louis van Gaal: Das unrühmliche Ende des Tulpengenerals beim FC Bayern München

11Apr11

Schon seit Wochen war Louis van Gaal bei den Bayern nur mehr ein „Dead Man Walking“. Seit bekannt war, dass der Vertrag des Niederländers am Saisonende aufgelöst wird und Jupp Heynckes zur neuen Saison Bayern-Trainer wird, ging es für das „Feierbiest“ nur noch darum, einen Rest Würde zu wahren und die Saison anständig zu Ende zu bringen. Zweifel waren aber angebracht, schließlich hatte die öffentliche Demontage durch den Bayern-Vorstand nicht gerade dazu beigetragen, van Gaals Autorität zu stärken. Und so quälten sich die Bayern in den Wochen seit der Bekanntgabe der Trennung zu zwei knappen, unansehlichen Ligasiegen gegen Freiburg und Schlusslicht Mönchengladbach, ehe eine erneut schwache Leistung und ein mageres 1:1 im prestigeträchtigen Derby gegen Nürnberg das Fass zum Überlaufen brachte.

Scheinbar noch auf der Rückfahrt aus Nürnberg am Samstagabend beschlossen der seit Monaten angefressen wirkende Präsident Uli Hoeneß und der ebenso mächtige Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die vorzeitige Entlassung van Gaals. Sein Co-Trainer Andries Jonker soll an den letzten fünf Spieltagen nun noch retten, was zu retten ist. Sprich: Das Team wenigstens auf Platz drei führen und so die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation retten. Diesen Platz belegt seit Samstag wieder das Überraschungsteam von Hannover 96, das ohne Probleme 2:0 gegen Mainz gewann. Der zweite Tabellenplatz und damit die direkte Qualifikation für die Champions League ist für die Bayern in weite Ferne gerückt – Leverkusen ist dem Rekordmeister neun Zähler enteilt. Von der Meisterschaft sprach an der Säbener Straße ja spätestens seit dem 1:3 gegen Dortmund im Februar schon niemand mehr.

Momentan herrscht viel Frust bei den Bayern. Ob Andries Jonker die Spieler aus dem Tal der Tränen führen kann, scheint fraglich. Schließlich vertritt der Niederländer weitgehend die selben taktischen Ansichten wie sein Landsmann van Gaal. Doch dürfte Jonker zu Gute kommen, dass er weniger stur ist als es der „Tulpengeneral“ war.

Denn van Gaal stolperte bei den Bayern vor allem über seine mangelnde Kompromissbereitschaft. In seiner ersten Saison zogen alle mit, und die Bayern gewannen nach einer sensationellen Rückrunde Meisterschaft und DFB-Pokal und standen im Finale der Champions League. In dieser Saison jedoch lief von Anfang an vieles schief. Van Gaal erwies sich aber als zu unflexibel, um die Situation meistern zu können. Dass gegen Nürnberg ausgerechnet Keeper Thomas Kraft, den van Gaal gegen den Willen der Bosse ins Tor beordert hatte, entscheidend patzte und so das Ende des Trainers besiegelte, ist symptomatisch. Van Gaal wich nie von seiner Linie ab, und der Widerstand gegen ihn wurde immer größer, vor allem in der Führungsetage. Hoeneß‘ wütende Abschiedsworte auf der gestrigen Pressekonferenz sind ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie sehr sich die Stimmung in wenigen Monaten gegen van Gaal gewendet hat. Trotzdem: ein guter Trainer verlässt die Bundesliga, und zudem eine trotz allem faszinierende Persönlichkeit.

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