Champions League: Schalke 04 und ein Abend für die Ewigkeit

06Apr11

Klar, es gab sie schon vor dem Spiel, die Optimisten. Jene, die es für zumindest nicht ganz ausgeschlossen hielten, dass der FC Schalke 04 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Titelverteidiger Inter Mailand ein respektables Unentschieden holen könnte. Und damit eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel hätte. Oder jene, die meinten, dass Schalke mit einer knappen Niederlage nach Hause kommen würde, die man im Rückspiel noch drehen könnte.

Aber wohl selbst die tollkühnsten Optimisten und enthusiastischsten Hardcore-Schalke hätten wohl nicht das vorhersagen können, was gestern Abend im Stadio San Siro tatsächlich passierte. Schalke besiegte nicht nur den haushohen Favoriten Inter in dessen eigenem Wohnzimmer, es demütigte ihn, zerlegte ihn nach allen Regeln der Kunst. Man muss es sich einfach noch einmal auf der Zunge zergehen lassen. Der FC Schalke 04, der in der laufenden Saison noch nicht einmal den Klassenerhalt in der Bundesliga sicher hat und der erst zum zweiten Mal in seiner Geschichte im Viertelfinale der Königsklasse steht, bezwingt Inter Mailand, der Triple-Sieger der Vorsaison, den 18-fachen italienischen Meister, sechsfachen Europacup-Sieger und aktuell Tabellenzweiten in Italien, mit 5:2. In Worten: Fünf zu zwei!

Auch am Tag danach fehlen einem irgendwie immer noch die Worte. Was ist da passiert? Hat der neue Trainer Ralf Rangnick in seiner erst zehntägigen Amtszeit wirklich so viel verschüttetes Potenzial freigeschaufelt? Hat Schalke nur von einer unfassbaren Schwäche der Italiener profitiert? Sind die S04-Profis um Manuel Neuer, Raul und Jefferson Farfan in einem einmaligen Akt über sich hinausgewachsen? Eine einzige Erklärung gibt es wohl nicht. Fakt ist: Schalke 04 hat nicht nur seinen eigenen, sondern allen deutschen Fußballfans einen denkwürdigen, einen historischen Fußballabend beschert. Es war ein mitreißendes Spiel in einem teils irrwitzigen Tempo, mit einer Fülle an Torchancen auf beiden Seiten und einer kaum zu überbietenden Spannungskurve. Nie zuvor in der Geschichte schoß eine deutsche Mannschaft fünf Tore bei einem Auswärtsspiel in Italiens Fußball-Hochburg Mailand.

Klar, ganz sicher durch sind die Schalker noch nicht. Natürlich gibt es noch das Rückspiel in einer Woche, und wie Inter-Trainer Leonardo gestern fast schon verzweifelt anmerkte: Im Fußball ist alles möglich. Aber in diesem Falle kann man sich festlegen: Das Ding ist durch. Schalke wird nicht zu Hause mit vier Toren Unterschied verlieren und in das Halbfinale einziehen – zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte.  Man kann den Königsblauen, die in dieser Saison ja schon allerlei Krisen durchmachen mussten, nur gratulieren. An den 05. April 2011 wird man sich auch in Jahren und Jahrzehnten noch zurückerinnern, so viel steht fest.

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