2. Spieltag: Bundesliga dreht komplett am Rad – Tore, Tricks, Tollerei

30Aug10

Da soll noch einer sagen, eine Liga könnte nie den Nervenkitzel oder die Klasse einer Weltmeisterschaft erreichen. Die deutsche Bundesliga widerlegte dies an ihren bisherigen beiden Spieltagen der neuen Saison eindrucksvoll. Schon der Auftaktspieltag war eine torreiche, spektakuläre Angelegenheit, doch das, was am vergangenen Wochenende passierte, stellte das noch einmal locker in den Schatten. Tore ohne Ende, teils heftige Niederlagen für die Favoriten, absolut verrückte Spielverläufe – der zweite Spieltag ist kaum in einer Zusammenfassung zu beschreiben, ohne etwas wichtiges zu verschweigen. Deshalb versuchen wir am Besten, die Ereignisse der Reihe nach chronologisch aufzuarbeiten.

Freitag: Der Meister FC Bayern München durfte den Spieltag mit einem Gastspiel auf dem Betzenberg bei Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern eröffnen. Die Lauterer, letzte Saison Meister der zweiten Liga, hatten am ersten Spieltag Köln mit 3:1 besiegt und die Bayern hatten vor allem in den 70er und 80er Jahren oft herbe Niederlagen in der Pfalz einstecken müssen. Sie hätten also gewarnt sein dürfen. Trotzdem setzte es eine 0:2-Niederlage und damit die erste faustdicke Überraschung der Saison. Innerhalb von 66 Sekunden schlugen Ivo Ilicevic und Srdjan Lakic zweimal zu, und die Bayern rannten diesem Rückstand über eine Stunde lang erfolglos hinterher. Die Abwehr, schon in Liga zwei das Prunkstück der Lauterer, war nicht zu überwinden, und wenn, dann vergaben die Bayern ihre Chancen kläglich, wie Thomas Müller beim Stand von 0:0

Samstag: Jetzt wurde es so richtig verrückt. Vizemeister Schalke 04 verlor zu Hause gegen Fast-Absteiger Hannover 96 mit 1:2. Behäbig und ideenlos präsentierten sich die Schalker vor eigenem Publikum. Erst in der Schlussphase wachte das Team von Felix Magath auf, doch ein Kopfballtor von Jermaine Jones war zu wenig, um die Treffer von Konstantin Rausch und Mo Abdellaoue auszugleichen. Schalke steht damit nach zwei Spielen bei null Punkten, Hannover bei sechs – wer hätte das vor der Saison gedacht?

Noch irrer wurde es allerdings in Wolfsburg. Das Heimspiel der „Wölfe“ gegen Mainz 05 hätte zum Triumphzug für Neuzugang Diego werden sollen – und wurde es zunächst auch. Nach etwas über einer halben Stunde führte Wolfsburg mit 3:0. Zweimal traf Topstürmer Edin Dzeko, ehe Diego seine überragende erste Hälfte mit einem spektakulären Tor krönte. Der zu diesem Zeitpunkt überraschende Treffer zum 1:3 durch Rasmussen störte zunächst niemanden, da Wolfsburg zu dominant auftrat. Doch in der zweiten Hälfte kippte das Spiel komplett: Soto, Schürrle und Szalai stellten den Spielstand auf den Kopf und sorgten für fassungslose Gesichter in Niedersachsen. Erstmals seit 1991 hat eine Mannschaft eine 3:0-Fühung noch in eine Niederlage verwandelt. Auch hier heißt es nach zwei Spielen: Wolfsburg 0, Mainz 6 Punkte – und auch hier eine Sensation.
Von den Favoriten wahrten nur Bremen und der Hamburger SV ihr Gesicht. Die Werderaner bezwangen den 1. FC Köln dank einer bärenstarken Leistungen von Neuzugang Marko Arnautovic (zwei Tore, eine Vorlage) mit 4:2. Der HSV gewann trotz Rückstand mit 3:1 in Frankfurt. Superstar Ruud van Nistelrooy traf zum wegweisenden 2:1 und bewies seine phänomenale Frühform.
Im Duell der Außenseiter gewann der SC Freiburg dank zweier Tore von Papiss Cissé mit 2:1 in Nürnberg. Das Abendspiel zwischen dem FC St. Pauli und der TSG Hoffenheim konnte die badische Truppe für sich entscheiden. Dank des 1:0-Sieges, den Isaac Vorsah drei Minute vor dem Ende sicher stellte, konnte sich Hoffenheim an der Tabellenspitze behaupten, die sie nun allerdings mit Kaiserslautern teilen – beide haben 6 Punkte und 5:1 Tore.

Sonntag: War der Samstag schon richtig wild, was Spielverläufe und Tore anging, so setzte der Sonntag mit seinen beiden Nachmittagspartien noch einen drauf. Erst lieferten sich Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach eines der spektakulärsten Matches der letzten Jahre. Am Ende stand es wie beim Tennis 6:3 für Gladbach. Die Borussen zeigten begeisternden Offensivfußball, die Leverkusener erschreckende Abwehrschwächen. Die Gladbacher Offensivfraktion mit den jungen Patrick Hermann (zwei Tore) und Marco Reus (ein Tor) sowie dem Kameruner Nationalstürmer Mo Idrissou (ein Tor) stellte für Bayers Abwehrspieler ein unlösbare Aufgabe dar. Da halfen auch Tore von Derdiyok, Vidal und Kießling nichts.

Neun Tore im ersten Nachmittagsspiel – und auch das zweite hatte es in sich. Der VfB Stuttgart schaffte es doch unglaubliche Nachlässigkeiten in der Abwehr, zur Halbzeit 0:3 im eigenen Stadion zurückzuliegen. Borussia Dortmund hatte kaum Mühe, die Tore zu erzielen, wobei das erste sogar ein Stuttgarter schoß (Khalid Boulahrouz). Lucas Barrios und Nachwuchsspieler Mario Götze schossen den komfortablen Vorsprung raus, den Stuttgart trotz einer engagierteren Leistung in Hälfte zwei nicht mehr aufholen konnte. Zu mehr als dem 1:3 durch Cacau reichte es nicht. Damit steht Stuttgart nach zwei Spielen am Tabellenende. Das hatten sich die Spieler, die Fans und Trainer Christian Gross sicherlich ganz anders vorgestellt. Möglich, dass der VfB noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv wird – noch bis Mittwoch sind die Listen geöffnet. Es fehlt jedenfalls an allen Ecken und Enden, aber vor allem hinten.

Jetzt hat die Bundesliga wegen der Länderspiele am kommenden Wochenende erst einmal Pause. Zeit, das Erlebte sacken zu lassen. Dieser Spieltag gehört sicher zum spektakulärsten, was die Liga in den letzten zehn Jahren zu bieten hatte. 39 Tore in neun Partien – im Schnitt 4,33 pro Spiel. Welche andere europäische Topliga kann da mithalten?

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4 Responses to “2. Spieltag: Bundesliga dreht komplett am Rad – Tore, Tricks, Tollerei”

  1. 1 Ito

    Schönes Fazit eines wahrlich überraschenden Spieltages. Kleine Besserwisserei am Rande. Die Transferliste schließt am Dienstag um 0.00 Uhr, Mittwoch geht gar nix mehr. Meine ja nur… 😉

  2. Bei dem Stuttgart – BVB Spiel gefiehl mir die 2. Halbzeit überhaupt nicht mehr. Auf der einen Seite war es klar, das der BVB versuchen wird, das 0:3 zu verwalten, aber das die dann die Stuttgarter nochmal so kommen lassen hätte ich nicht gedacht.


  1. 1 Verstand in Gefahr?!
  2. 2 .:denkblogade:. » Blog Archive » Frage nicht, was der Verein für dich tun kann, sondern was du dem Verein tun kannst.

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