Große Fußballnationen Teil 3: England

07Aug10

„England ist das Mutterland des Fußballs“. Wer diesen Spruch noch nie gehört hat, hat entweder kein Internet, oder noch nie eine Sportzeitung gelesen, oder gleich beides. Dass die Engländer die ersten waren, die Regeln für das Fußballspiel aufgestellt und eine Liga gegründet haben, in der sich Teams um Punkte duellieren, ist altbekannt. Auch, dass die Engländer die ersten waren, die das Profitum einführten und auch die ersten, die Länderspiele austrugen (das erste fand 1871 gegen Schottland statt). Tatsächlich hat England die Entwicklung des Sports enorm vorangetrieben und zehrt immer noch von seinem fast schon mythischen Ruf als Wiege des echten, unverfälschten Fußballspiels.

Leider hat zumindest im 20. Jahrhunderts das Wissen um die Pionierstellung im Fußballgeschäft dazu geführt, dass England nachlässig, ja fast arrogant auftrat. Erst 1950 ließ man sich dazu herab, bei einer Weltmeisterschaft anzutreten – die ersten Turniere hatten die Engländer schlicht ignoriert und waren auch der FIFA nicht beigetreten. Als England sich dann endlich damit abgefunden hatte, dass auch woanders anständiger Fußball gespielt wird, hatten sie bereits ein gutes Stück der Entwicklung verschlafen. Außer einem WM-Titel im eigenen Land 1966 sprang kein großer Erfolg für die Nationalelf heraus, und sogar der wurde auf umstrittene Art und Weise gewonnen (Stichwort: Wembley-Tor). Von diesem Triumph abgesehen, schaffte es England nur noch ein einziges Mal, nämlich 1990, in ein WM-Halbfinale.

Die Nationalelf oder die „Three Lions“, wie sie wegen des Wappens auf der Brust genannt wird, kann ein wenig als Sorgenkind der großen Fußballnation England gesehen werden. Auch 2010 war wieder früh Schluss, nämlich im Achtelfinale, wo die Mannschaft von Fabio Capello der deutschen Elf mit 1:4 unterlag. Dabei hatte England schon immer absolute Topstars in seinen Reihen, so auch diesmal. Was heute Weltstars wie Steven Gerrard, Frank Lampard, Wayne Rooney oder David Beckham sind, waren in früheren Jahren Stanley Matthews, Gordon Banks, Bobby Charlton oder Gary Lineker. Die Namen garantierten immer einen Status als Geheimfavorit für jedes Turnier, die Erwartungen konnte das Team aber nie erfüllen.

Ganz anders die heimische Liga: Die Premier League gilt seit etwa 15 Jahren als eine der besten der Welt, vielleicht sogar DIE beste. Dank finanzkräftiger Sponsoren und Investoren konnte Spitzenklubs wie Manchester United, FC Chelsea, Arsenal London oder FC Liverpool absolute Topteams aufbauen. In der Premier League spielen einige der besten Spieler der Welt, und zwar aus aller Herren Länder. Trotz des internationalen Flairs wird auf der Insel immer noch ein typisch britischer Fußball gespielt: Ein gutes Stück härter als auf dem Kontinent, aggressiver, aber auch intensiver. Schwalben sind bei den Fans absolut verpönt, und Spieler, die übertrieben mit dem Schiedsrichter hadern, wie es in der deutschen Bundesliga immer wieder zu sehen ist, sind sogar bei den eigenen Fans unten durch.

Die Anziehungskraft der Premier League ist ungebrochen. Wohl nirgendwo sonst in Europa wird Fußball so gelebt wie in England. Deshalb ist es absolut gerechtfertigt, England als große Fußballnation zu bezeichnen, auch wenn die Erfolge der Nationalelf vielleicht nicht so überragend sind wie bei Deutschland oder Italien. Um den Mythos „Englischer Fußball“ zu begreifen, sollte man die Mühen auf sich nehmen, nach London fliegen und ein Spiel in einem der zahlreichen Erstligastadien ansehen – ein unvergleichliches Erlebnis.

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