Robbens Verletzung oder: Das ewige Gerangel zwischen Verein und Nationalelf

05Aug10

Netherland's Arjen Robben reacts after a goal by Spain during their 2010 World Cup final soccer match at Soccer City stadium in Johannesburg July 11, 2010. REUTERS/Oleg Popov (SOUTH AFRICA - Tags: SPORT SOCCER WORLD CUP)

Karl-Heinz Rummennigge ließ sich zu einem geradezu philosophischen Vergleich hinreißen. „Wenn ich ein Auto miete, muss ich das ja auch in ordentlichem Zustand zurückgeben“, polterte der Vorstandschef des FC Bayern München. Und schob den Grund für seinen Ärger gleich hinterher: „Man hat uns, wenn ich das mal so sagen darf, Arjen Robben enteignet und dann demoliert wieder in die Garage gestellt.“

Wieder einmal kochen die Emotionen hoch beim deutschen Rekordmeister. Arjen Robben, der große Star der Mannschaft, bester Bundesligaspieler der vergangenen Saison, fällt wegen einer Verletzung vermutlich zwei Monate aus. Der 26jährige Dribbelkünstler fehlt damit nicht nur beim Start in die neue Bundesligasaison, sondern auch in den ersten wichtigen Duellen in der Champions League und im DFB-Pokal. Und das alles wegen einer Verletzung, die er sich vermutlich schon vor der WM in Südafrika zugezogen hatte, die aber von den holländischen Teamärzten verharmlost und vertuscht wurde.

In einem Vorbereitungsspiel vor dem Weltturnier hatte sich Robben einen leichten Muskelfaserriss zugezogen. Doch der Stürmer, der um jeden Preis dabei sein wollte, ließ sich von einem vermeintlichen Wunderheiler fitspritzen, der ihm versprochen hatte, ihn wieder gesund zu kriegen. Tatsächlich konnte Robben am den dritten Gruppenspiel mitwirken und führte seine Holländer mit starken Leistungen und zwei Toren in der K.O.-Phase bis ins Finale. Er wirkte spritzig und fit. Umso niederschmetternder jetzt die Diagnose, die nach seiner Rückkehrs ins Bayern-Training von Teamarzt Dr. Müller-Wohlfahrt gestellt wurde.

Diesen schlampigen Umgang mit einem offenbar angeschlagenen Spieler wollen die Bayern-Bosse nicht einfach so hinnehmen. Zwar bekamen die Bayern wie alle anderen Vereine, die Spieler für die WM abstellten, eine Entschädigungssumme von der FIFA gezahlt, doch Rummenigge will mehr: „Die Kosten für unsere Spieler sind mindestens fünf – bis sechsmal so hoch wie das, was wir von der FIFA bekommen“, grantelte der erboste Bayern-Boss in der Süddeutschen Zeitung und forderte eine Schadensersatzzahlung vom holländischen Fußballverband.

Die Bayern sehen sich in der Opferrolle: Sie stellen die Spieler für ein großes Turnier und zahlen hinterher die Zeche. Natürlich ist dieser Ärger in gewisser Weise verständlich, da jeder Verein in erster Linie auf sich schaut. Aber Fußballfeste wie eine WM leben nun einmal davon, dass die besten Spieler auflaufen, und auch die Spieler selbst wollen natürlich, wenn es irgendwie machbar ist, bei solch einem Ereignis dabei sein. Könnten die Vereine bestimmen, wer bei einer WM zu spielen hat und wer nicht, wäre das Ergebnis vermutlich ein Turnier ohne Stars. Und dann könnte man auch gleich auf eine WM verzichten.

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