Hintergrundbericht: VfL Wolfsburg greift nach einjähriger Pause wieder an

04Aug10

Im Sommer 2009 fand das wohl größte Fußballmärchen des neuen Jahrtausends seinen krönenden Abschluss. Felix Magath stand lächelnd inmitten der wie entfesselt jubelnden Spieler des VfL Wolfsburg, die er soeben zur deutschen Meisterschaft geführt hatte. Mit attraktivem, dominanten Offensivfußball und einer bombensicheren Abwehr schossen sich die Niedersachsen zum sensationellen Titel. Das Sturmduo Grafite und Edin Dzeko kam zusammen auf unglaubliche 54 Tore, alleine 28 davon schoss der Brasilianer, der sich den Titel des Torschützenkönigs sicherte.

Doch schon in der Stunde des größten Triumphs in der Vereinsgeschichte zogen dunkle Wolken am Wolfsburger Himmel auf. Meistertrainer Magath hatte bereits vor Saisonende seinen Abgang zum FC Schalke 04 verkündet, und inmitten der ausgelassenen Titelfeiern fragten sich die ersten Fans, ob ihr VfL ohne den großen Zampano das Niveau werden halten können, oder ob ein Rückfall in frühere Graue-Maus-Zeiten droht. Leider war letzteres der Fall.

Denn obwohl Wolfsburg seine Stars allesamt halten konnte, geriet die Saison 2009/2010 für den amtierenden Meister zur Irrfahrt. Unter dem neuen Trainer Armin Veh rutschten die Niedersachsen zwischenzeitlich so weit ab, dass der Vorstand die Reißleine zog und mitten in der Rückrunde den Amateurtrainer Lorenz-Günther Köstner an die Seitenlinie beorderte. Unter ihm konnte dank eines starken Schlussspurts zwar noch der achte Platz erreicht werden, aber dennoch hatte der ambitionierte Klub damit eine Qualifikation für den Europacup verpasst. Noch dazu hatte nur Dzeko das Niveau der Meistersaison halten können – er wurde mit 22 Treffern Torschützkönig und damit Nachfolger seines Sturmpartners.

Doch noch so eine Saison will Wolfsburg nicht erleben. Deshalb hat der Verein mit dem finanzkräftigen Hauptsponsor VW im Rücken noch einmal mächtig aufgerüstet. Mit Steve McClaren kam ein ehrgeiziger Trainer, der immerhin soeben in den Niederlanden Meister geworden war. Die schwächelnde Abwehr, eine der großen Schwachstellen, wurde mit dem deutschen WM-Helden Arne Friedrich und dem dänischen Jungstar Simon Kjaer verstärkt. Noch dazu konnte Dzeko trotz lukrativer Angebote gehalten werden, und auch der wechselwillige Spielmacher Zvezdjan Misimovic konnte von einem weiteren Verbleib überzeugt werden. Keine Frage: Wolfsburg hat seine Mannschaft gut und geschickt verstärkt – auch wenn es bislang noch nicht gelungen ist, eine dringend nötige Verstärkung für das defensive Mittelfeld zu verpflichten.

Der Kader des Ex-Meisters für die neue Saison verspricht viel. Wenn der VfL es nur endlich schafft, Konstanz in seine Leistungen zu bringen, ist er ein heißer Anwärter auf einen Europapokal-Platz, vielleicht sogar mehr. Alles hängt von McClaren ab. Das Potenzial der Spieler ist da – nicht nur bei Dzeko, Grafite, Misimovic und Friedrich, auch beim Schweizer WM-Torhüter Diego Benaglio oder dem Außenverteidiger Marcel Schäfer. McClaren muss nur schaffen, seine Spieler soweit zu bringen, dass sie es dauerhaft abrufen. Klar ist aber auch, dass Wolfsburg kein Topanwärter auf den Meistertitel ist. Dafür müsste schon alles passen – aber das war ja schon einmal der Fall, vor zwei Jahren.

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