Louis van Gaal: Das schrullige Feierbiest und die schwierige zweite Saison

03Aug10

Er ist sicherlich einer der renommiertesten Trainer, die je in der Bundesliga wirkten – aber auch einer der unterhaltsamsten und schrulligsten. Aloysius Paulus Maria, genannt Louis van Gaal, geht in seine zweite Saison als Trainer des FC Bayern München. Bereits in seiner ersten Saison konnte der Niederländer, der in wenigen Tagen seinen 59. Geburtstag feiert, große Erfolge feiern: Souverän sicherten sich die Bayern die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokalsieg, und nur eine 0:2-Niederlage im Finale verhinderte den Triumph in der Champions League.

Erfolge wie diese konnte der oft arrogant und spröde wirkende Startrainer überall feiern. Mit seinem Heimatverein Ajax Amsterdam gewann er 1995 sensationell die Champions League. Seine junge Truppe um die kommenden Stars Patrick Kluivert, Marc Overmars und Edwin van der Sar schlug den favorisierten AC Mailand 1:0. Nachdem er sich so einen Namen gemacht hatte, zog es ihn nach Spanien zum großen FC Barcelona, mit dem er bis 2000 zweimal die Meisterschaft und einmal den Pokal. Die Anerkennung der Fans, die er heute beim FC Bayern genießt, hatte van Gaal bei den Katalanen jedoch nie.

Danach wurde er Nationaltrainer der Niederlande, scheiterte jedoch in der Qualifikation zur WM 2002. Nachdem er so erstmals in seiner Trainerlaufbahn einen herben Rückschlag einstecken musste, zog er sich auf den Posten des Sportdirektors bei Ajax Amsterdam zurück. Erst 2005 übernahm er wieder einen Verein, den eher kleinen AZ Alkmaar. 2009 gewann er mit seiner Mannschaft die holländische Meisterschaft, und sein hervorragender Ruf war wieder vollends hergestellt. In dieser Phase ereilte ihn der Ruf des FC Bayern München, der einen Nachfolger für Interimstrainer Jupp Heynckes suchte.

Nach holprigem Beginn kam die Startruppe von der Isar unter seiner Führung so richtig ins Rollen und zeigte teils hervorragenden Fußball. Van Gaal avancierte binnen Kurzem vom eher kritisch beäugten Kauz an der Seitenlinie zum Kult-Trainer, der sich durch Aussagen wie „Ich bin ein Feierbiest!“ schnell in die Herzen der Fans brüllte. Den Erfolg in seiner Debütsaison kostete er voll aus und schreckte auch vor einem Tänzchen mit Oberbürgermeister Ude bei der Party auf dem Münchener Rathausbalkon nicht zurück.

Nun steht für „LvG“ die schwierige zweite Saison an. Die Erfolge der Vergangenheit zu bestätigen, wird auch deshalb schwer, weil kein anderer Bundesligist durch die WM so beeinträchtigt wurde wie der FC Bayern. Gleich elf Spieler, die bis zum Schluss in Südafrika dabei waren, fehlten van Gaal urlaubsbedingt bis zum gestrigen Montag. Vier Wochen lang musste er einen Rumpfkader von Nicht-Auswahlspielern und Amateuren auf die kommende Saison vorbereiten. Eine ideale Vorbereitung sieht sicher anders aus. Aber van Gaal wäre nicht van Gaal, hätte er nicht auch für diese Problematik eine Lösung parat. Wenn er vor die Fernsehkameras tritt, ist Unterhaltung garantiert. Und, noch viel wichtiger: Wenn er an der Seitenlinie steht, sind Erfolge garantiert. Vorbereitung hin oder her.

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