Große Fußballnationen Teil 2: Italien

31Jul10

Als Deutschland-Fan hat man natürlich an Italien keine guten Erinnerungen. Das WM-Halbfinale 2006 bleibt auch vier Jahre später ein Art Trauma für die meisten Fußballfans in der Bundesrepublik. Bis zur 119. Minute hielt die junge DFB-Elf von Trainer Jürgen Klinsmann ein 0:0, dann schlugen Fabio Grosso und Alessandro Del Piero zweimal innerhalb von zwei Minuten gnadenlos zu und katapultierten die Italiener ins Endspiel. Dort gewann die „Squadra Azzurra“ dann ein spannendes Finale gegen Frankreich im Elfmeterschießen.

Der Weg zum vierten WM-Titel war symptomatisch für die Geschichte des italienischen Fußballs. Nach Brasilien ist die Mannschaft vom Stiefel die zweiterfolgreichste Nationalelf der Welt mit vier WM-Erfolgen (1934, 1938, 1982 und 2006) sowie einem EM-Titel 1968. Doch niemals ließen die Italiener die Fußball-Ästheten mit der Zunge schnalzen, wie es die Brasilianer zu ihren Glanzzeiten taten. Statt dessen war schon seit jeher ein kontrollierter Offensivfußball aus einer starken Defensive das Markenzeichen der Südeuropäer. Das steht nicht nur im krassen Widerspruch zum eigentlich temperamentvollen und leidenschaftlichen Wesen der Italiener, sondern auch zur fußballerischen Klasse, die die besten Kicker Italiens seit jeher aufwiesen.

Giuseppe Meazza etwa, der 1934 und 1938 mit der Squadra Weltmeister wurde und einer der besten Mittelstürmer seiner Zeit war. Oder Paolo Rossi, der Torschützenkönig der WM 1982, bei der er Brasilien beim 3:2-Sieg mit drei Treffern aus dem Turnier schoss. In den Neunzigern war es dann der unvergleichliche Roberto Baggio mit seinem markanten Haarzopf, der die Massen begeisterte. Obwohl er nie einen großen Titel gewann und hauptsächlich wegen seines verschossenen Elfmeters im WM-Finale 1994 in Erinnerung bleiben wird, war Baggio einer der größten Fußballkünstler aller Zeiten. Weitere Edeltechniker wie Gianfranco Zola, Alessandro Del Piero oder Andrea Pirlo stehen bei Fußballexperten ebenso hoch im Kurs.

Doch noch wichtiger als das schöne Spiel war für die italienischen Fans, die Tifosi, eben schon seit jeher der Sieg. Und dafür nehmen sie auch wenig attraktive Spiele in Kauf. Seit Inter Mailand in den 1930er Jahren mit dem damals neuartigen „Catenaccio“-System – einem Abwehrriegel, der des Gegners Angriffe unterbindet und schnelle Konterattacken möglich macht – sensationelle Erfolge feierte, ist das italienische Spiel stets in gewisser Weise von dieser Philosophie geprägt gewesen.

A propos Inter Mailand: Italiens Vereinsmannschaften drücken dem europäischen Fußball seit den 60er Jahren ihren Stempel auf. Neben Inter gehören Lokalrivale AC Mailand, Juventus Turin, der AS Rom und früher auch der SSC Neapel und der AC Parma zum Besten, was der Vereinsfußball auf unserem Kontinent zu bieten hat. Die italienische erste Liga, die Serie A, galt in den Neunzigern als beste der Welt. Und auch wenn sie diesen Status mittlerweile an die spanische Primera División und die englische Premier League (und wohl auch an die deutsche Bundesliga) abtreten musste, lockt sie immer noch illustre Stars ins wunderschöne Land südlich der Alpen. Inter Mailand schaffte in der vergangenen Saison unter Star-Trainer José Mourinho gar das historische Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions-League-Triumph.

Italiens Fußball lebt trotz zahlreicher Skandale immer noch. Er wird weiterhin Erfolge feiern und weiterhin die Fußballfans ob seiner Spielweise in zwei Lager spalten. Nicht nur die deutschen Fans – aber die ganz besonders.

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