Deutschland: Auf Euphorie folgt Enttäuschung

09Jul10

Der Tag nach dem Tag danach. Natürlich ist die Enttäuschung in ganz Deutschland immer noch enorm, zwei Tage nach dem ebenso bitteren wie hochverdienten 0:1 im WM-Halbfinale gegen Spanien. Dass die Mannschaft eine hervorragende WM gespielt hat, streitet niemand ab, und daran ändert auch der schwache Auftritt im Halbfinale nichts. Doch wenn zum zweiten Mal in Folge der zum Greifen nahe Einzug in ein WM-Finale verspielt wird, drängen sich natürlich Fragen auf: Warum wirkte die Mannschaft nach zwei locker herausgespielten Siegen in Achtel- und Viertelfinale ausgerechnet gegen Spanien so gehemmt?

Dass der Respekt vor den großen Namen auf der Gegenseite dabei eine Rolle spielte, ist klar. Doch da bis auf Torjäger David Villa bislang keiner der spanischen Superstars bei der WM das abrufen konnte, wozu er eigentlich in der Lage ist, wäre übertriebene Ehrfurcht eigentlich nicht nötig gewesen. Vor allem, da Schweinsteiger, Özil, Klose und vor allem Müller sich durch absolute Topleistungen bei der WM selbst einen klangvollen Namen im internationalen Fußball verschafft haben. Dafür spricht auch das plötzliche Interesse ausländischer Topklubs an zahlreichen deutschen Nationalspielern.

Klar zeigte Europameister Spanien ausgerechnet in diesem Spiel seine beste Turnierleistung und ließ mit traumhaft sicherem Passspiel und körperlicher Überlegenheit dem jungen deutschen Team nie eine Chance, ins Spiel zu finden. Doch drängt sich schon der Eindruck auf, dass die Spanier nur deshalb so druckvoll agieren konnten, weil ihre deutschen Gegenspieler viel zu weit weg standen und ohne den nötigen Einsatz in die Zweikämpfe gingen. Angst vor der eigenen Courage? Vielleicht.

Das undankbare Spiel um Platz drei gegen Uruguay steht jedenfalls trotz aller Enttäuschung noch auf dem Programm. Vor vier Jahren, bei der WM im eigenen Land, zeigte das DFB-Team zum Abschluss noch einmal eine fabelhafte Vorstellung und sicherte sich mit einem 3:1-Sieg gegen Portugal die Bronzemedaille. Diesmal ist der Frust über das Ausscheiden jedoch noch deutlich größer als 2006, und deshalb ist ein neuerliches Fußballfest nicht unbedingt zu erwarten. Immerhin geht es für ein paar Spieler noch um etwas, um persönlichen Ruhm. Miroslav Klose etwa könnte im wohl letzten WM-Spiel seiner Karriere mit einem Tor zum bisherigen WM-Rekordhalter Ronaldo aufschließen – mit zwei Treffern könnte er sich in dieser Wertung gar an die Spitze setzen und endgültig zur Legende werden.

Wie es nach der WM weitergeht, daran mag momentan noch niemand so recht denken. Die Nationalspieler werden nach der Rückkehr aus Südafrika erst einmal in den Urlaub fliegen und sich anschließend auf die neue Bundesliga-Saison in ihren Vereinen vorbereiten. Bundestrainer Joachim Löw ließ mittlerweile immerhin durchblicken, dass er bereit wäre, bis zur EM 2012 weiter zu machen und dort einen neuerlichen Anlauf zum Titelgewinn zu wagen. Das ist die beste Nachricht aus dem deutschen Lager am Tag nach dem Tag danach.

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One Response to “Deutschland: Auf Euphorie folgt Enttäuschung”

  1. Von „Enttäuschung“ zu reden ist nicht angebracht.
    Löw hat verdammt gute Arbeit geleistet.
    Die Spanier hatten einfach mehr Spielerfahrung.
    For now.


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